Die Angst vor Parallelgesellschaften in Deutschland nimmt aufgrund der Flüchtlingskrise immer weiter zu. Um diesem entgegenzuwirken, werden in Deutschland seit 2005 Integrationskurse angeboten. Dort sollen neu angekommene Menschen Wissen über die Kultur, die Geschichte und das Rechtssystem Deutschlands erwerben, Werte und Normen des gesellschaftlichen Lebens sowie die unterschiedlichen Lebensweisen in Deutschland kennen lernen.

Was in den Kursen gelehrt wird, entschied eine Komission im Jahr 2007, die u.a. aus Universitätsprofessoren, Linguisten, Vertretern der Bundes-  und der Landesregierungen sowie dem  Goethe-Institut bestand. Das Schwierige ist, dass es bei diesem Kurs um Themen geht, die das Innere des Menschen und seine persönliche Lebensführung berühren. Am Ende des Kurses müssen Teilnehmer einen Test zu Fakten über das „Leben in Deutschland“ ablegen. Doch wie sollen Werte und Normen, die Teil der verinnerlichten Persönlichkeit und Einstellungen eines jeden Menschen sind, gelehrt werden?

Der Kurs bietet keine Patentlösung, soll aber neu angekommene Menschen dazu anregen, eigene Werte- und Normsysteme zu reflektieren und zu hinterfragen. Die Referatsleiterin des BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) erklärt, dass das neu gewonnene Wissen in den Kursen die Einstellungen der Menschen ändern kann, denn „Einstellungen verändern Handlungen“. Der Wille der Flüchtlinge spielt dabei aber eine entscheidende Rolle – genauso wie die nötigen Sprachkenntnisse.

Einstellungen verändern Handlungen.

Der Kurs soll den Flüchtlingen helfen, das Leben in Deutschland besser zu verstehen und zu erleichtern, ohne dass sie dabei aber die eigene Identität aufgeben. Es ist von Bedeutung, dass das Interesse an Kultur und Politik auch von den Menschen selbst kommt. Genauso wichtig für eine erfolgreiche Integration von Flüchtlingen ist es jedoch auch, so der Migrationsforscher Kleist, dass sich Deutschland als Einwanderungsland definiert, sich mit den Eingewanderten verändert und von ihnen lernt. Nur so können eine offene Diskussion und ein gegenseitiger Lernprozess entstehen, von welchem beide Seiten profitieren, denn

Integration ist nicht nur eine staatliche Aufgabe, sie muss auch aus der Bevölkerung kommen.

 

Bildquelle: Integrationsministerium BW